Living Labs abgeschlossen
Das letzte Treffen der Living Labs fand im Februar in Bern statt. Zeit, um auf das Erlebte zurückzublicken.
Vernetzung von Praktikerinnen
Um Praktikerinnen aus der Landwirtschaft zusammenzubringen, wurden sogenannte Living Labs ins Leben gerufen. Konkret bedeutete das: Drei regionale Gruppen (Bern, West- und Ostschweiz) trafen sich jeweils fünfmal über zwei Jahre hinweg in gleichbleibender Zusammensetzung.
In einem Bottom-up-Ansatz wurden im ersten Zusammentreffen Fokusthemen definiert, welche die Teilnehmerinnen beschäftigen. Diese wurden anschliessend auf unterschiedliche Weise von der Gruppe bearbeitet. Themen, die diskutiert und bearbeitet wurden, waren u. a. folgende:
- Praktische Aspekte des Betriebsalltags
- Unternehmensformen, die den Frauen besser entsprechen (weg vom Einzelunternehmen hin zur GmbH)
- Arbeiten in Team oder in Partnerschaft auf Augenhöhe (inkl. Fragen zu Teambildung, Coaching von Teams etc.)
- Mental Load, Selbstidentifikation, Rollenfindung
- Strukturelle / politische Hürden für in der Landwirtschaft tätige Frauen
- Sichtbarkeit /Wahrnehmung von Praktikerinnen innerhalb und ausserhalb der Branche
- Regionale und nationale Vernetzung auf fachlicher und politischer Ebene
Durch die gleichbleibende Gruppenzusammensetzung und das Zusammenkommen unter Praktikerinnen entstand sehr schnell ein grosses Vertrauen und eine positive, konstruktive Gruppendynamik. Da von Anfang an klar war, dass die Treffen auf eine bestimmte Dauer begrenzt waren, war die Motivation da, neben einem Austausch über ‘Alltägliches’ auch etwas Konkretes zu erschaffen. So entstand beispielsweise eine Kursliste mit Themen, die in Kursen von Frauen für Frauen angeboten werden könnten, sowie Merkblätter zur Mutterschaft als Selbstständige oder zur partnerschaftlichen Betriebsführung. (Updates zu den Outputs folgen auf dieser Homepage.)
Obwohl in den Living Labs Frauen mit sehr unterschiedlichen Betriebsausrichtungen, Produktionsformen und Haltungen zusammenkamen, spielten diese betrieblichen Faktoren kaum eine Rolle. Im Vordergrund standen die Erfahrungen, die sie als Frauen in diesem konkreten Berufs- und Arbeitsfeld machen, und der gemeinsame Austausch darüber. So gehört es leider weiterhin zum Alltag vieler landwirtschaftlichen (Co-)Betriebsleiterinnen, dass sie sich als Frauen zusätzlich beweisen müssen, sich bei Ämtern und Beratungspersonen rechtfertigen und dort ihre Relevanz und Kompetenz aufzeigen müssen.
Der regelmässige Austausch über betriebliche Themen, strukturellen Hindernisse oder gesellschaftliche Herausforderungen zeigte den Teilnehmerinnen, dass sie nicht allein sind, und bestärkte sie in ihrem täglichen Tun und Wirken als Praktikerinnen in der Landwirtschaft.
In einem nächsten Schritt werden die oben genannten Merkblätter fertig ausgearbeitet und es wird eine Übersicht über bestehende Kursangebote “von Frauen für Frauen” an landwirtschaftlichen Schulen erarbeitet. Zudem soll die Vernetzung von Praktikerinnen in der Landwirtschaft weiter gefördert werden, u.a. mit dem Vernetzungsanlass in Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Bauernverband und der Bauernzeitung im November (siehe Agenda unter ‘Uno-Jahr der Landwirtinnen’).

